Bürgerentscheid Friedhof

Eine Betrachtung anlässlich des Bürgerentscheids parallel zur Europawahl am 25. Mai

Der Wunsch nach einem eigenen Friedhof für Schenefeld besteht schon seit mehreren Jahrzehnten, die Verwirklichung scheiterte jedoch immer wieder aus den unterschiedlichsten Gründen.

Üblicherweise stellt man sich einen Friedhof als eine parkähnliche Anlage vor, ähnlich dem Altonaer oder Sülldorfer Friedhof. Bis eine Neuanlage in Schenefeld dieses Format erreicht hat, vergehen zwangsläufig etliche Jahre. Ein Mini- oder Billigfriedhof wird kaum angenommen werden.
Um mit den Friedhöfen der umliegenden Gemeinden konkurrieren zu können, müssen etliche Kriterien erfüllt sein, beispielsweise angemessene Kosten für einen Grabplatz, ausreichende Größe, Erweiterungsmöglichkeiten, Zuwegung, Aufsichtspersonal, gärtnerische Anlage und Pflege, Erreichbarkeit, Parkplätze, Gebäude, Verwaltung, Betreuung und noch einiges mehr.
So musste die Gemeinde Halstenbek bislang 300.000 Euro für Bodenaustausch investieren, da die Bodeneigenschaften bei Friedhöfen strikt geregelt sind. Es muss eine gute Durchlüftung vorhanden sein und der Grundwasserstand darf nicht unterhalb der Bestattungshöhe sein, da sonst das Leichenwasser in Grundwasser führende Schichten fließen würde und der biologische Abbau der Körper in zwei Metern Bestattungstiefe innerhalb der 25 Jahre dauernden Belegungsfrist nicht funktioniert. Diese Kosten wurden bei den bisherigen Planungen weder untersucht noch einberechnet.

Die anfängliche Investition kostet viel Geld, für das die Stadt in Vorleistung gehen muss. Nach inzwischen veralteten Schätzungen von 2004 betragen die Erstellungskosten etwa 1.500 000,- € , die Zuwegung und die Erstellung eines Parkplatzes sind darin noch gar nicht enthalten und der jährliche Zuschuss liegt zwischen 50.000 und 100.000,- €. Diese Mittel müssten an anderer Stelle eingespart werden.

Die Kostenschätzung geht davon aus, dass der Friedhof einigermaßen ausgelastet wird, das ist aber zu bezweifeln, weil viele ältere Mitbürger historisch bedingt Familiengräber in den umliegenden Gemeinden haben und daher kaum nach Schenefeld wechseln werden.
Zudem ändert sich die Begräbniskultur gravierend, der Trend geht immer mehr zu alternativen Begräbnisformen, die weniger Platz beanspruchen und damit preiswerter sind. Dazu gehören z.B. Urnenbeisetzungen, Bestattungen auf See, in einem Friedwald oder anonym. Viele konventionelle Friedhöfe in Hamburg sind daher nicht mehr ausgelastet und haben Kapazitäten frei. Das würde auch Schenefeld treffen.

Die Stilllegung des Friedhofs Bornkamp in Hamburg-Altona hatte sich bereits im Frühjahr 2011 abgezeichnet, als die Friedhofskapelle geschlossen wurde. Der endgültige Beschluss der betreibenden Kirchengemeinde folgte am Ende des gleichen Jahres. Seit längerem konnten die laufenden Kosten nicht gedeckt werden, die Belegung beträgt derzeit nur noch 20 %. Wenn die Ruhezeit von 25 Jahren für alle Gräber abgelaufen ist muss eine weitere Pietätsfrist von 10 Jahren eingehalten werden, bevor das Friedhofsgelände umfunktioniert werden kann.

Aber nicht nur die Friedhöfe Hamburgs sind von möglichen Schließungen betroffen. Deutschlandweit sorgt das Problem von Überhangsflächen zu Schließungen oder Teilschließungen von Friedhöfen. Die großen Friedhofsflächen, die im 19. und 20. Jahrhundert angelegt wurden, sind nicht mehr ausgelastet.

Ebenfalls ein mahnendes Beispiel ist der städtische Friedhof in Burscheid in Nordrhein-Westfalen. Aufgrund der anhaltenden Entwicklungen wurde der neue Teil des städtischen Friedhofs im Januar 2012 bereits zehn Jahre nach der Eröffnung wieder geschlossen. In Folge der Schließung sollen die Friedhofsgebühren um rund 40 Prozent sinken. Möglich wird das vor allem durch die reduzierten Kosten der Pflege der Grünanlagen – sie sollen von rund 88 000 auf 48 000 Euro sinken. Bis 2037 sollen alle Nutzungsrechte ausgelaufen sein und der neue Teil des städtischen Friedhofs kann entwidmet werden. (Quelle: www.holzsarg.de)

Manche ideelle und emotionale Gründe sprechen für einen Schenefelder Friedhof.
Praktische und finanzielle Gründe sprechen eindeutig dagegen.

Die Schenefelder SPD empfiehlt Ihnen daher, bei dem Bürgerentscheid am 25. Mai mit „Nein“ zu stimmen.

 

Weitere Informationen und Unterlagen zum Bürgerentscheid:

HIER finden Sie die “Gutachterliche Untersuchung als Hilfestellung zur Entscheidungsfindung, ob die Stadt Schenefeld einen eigenen Friedhof erhalten soll” als pdf-Format der Schenefelder Stadtverwaltung aus dem Jahr 2004.
Sämtliche Überlegungen basieren auf dieser Untersuchung.

Hier finden Sie das Anschreiben der Stadt und die Stellungnahme der in der Schenefelder Ratsversammlung vertretenen Fraktionen zum Bürgerentscheid
Anschreiben Stadt
Stellungnahme Fraktionen