Wir gratulieren, Herr Präsident!

Steinmeier - Präsident

” … Ist es nicht erstaunlich – ist es nicht eigentlich wunderbar – , dass dieses Deutschland, „unser schwieriges Vaterland“, wie Gustav Heinemann es mal nannte, ist es nicht wunderbar, dass dies Land für viele in der Welt ein Anker der Hoffnung geworden ist?

Wir machen anderen Mut – nicht weil alles gut ist in unserem Land. Sondern weil wir gezeigt haben, dass es besser werden kann!
• Dass es nach Kriegen Frieden werden kann;
• Und nach Teilung Versöhnung;
• Und dass nach der Raserei der Ideologien so etwas einkehren kann wie politische Vernunft;
• Dass uns vieles geglückt ist in unserem Land.

An all das erinnert uns dieser Tag – der Tag der Bundesversammlung!

Als Theodor Heuss vor der ersten Bundesversammlung stand, da räumten die Menschen in Deutschland den Schutt von Krieg und Diktatur beiseite; da bauten sie Stein um Stein die Bundesrepublik auf – eine Demokratie, die damals nur auf dem Fundament des Westens festen Halt finden konnte.
Und, meine Damen und Herren, und wenn dieses Fundament anderswo wackelt, dann müssen wir umso fester zu diesem Fundament stehen!

Wir brauchen den Mut, einander zuzuhören. Die Bereitschaft, das eigene Interesse nicht absolut zu setzen. Das Ringen um Lösungen in einer Demokratie nicht als Schwäche zu empfinden. Die Realität nicht zu leugnen, sondern sie verbessern zu wollen.

Und wir brauchen den Mut, zu bewahren, was wir haben: Freiheit und Demokratie in einem vereinten Europa – dieses Fundament, dass wollen, dass müssen wir miteinander verteidigen! Es ist nicht unverwundbar – aber, ich bin fest davon überzeugt: es ist stark!”

aus der Antrittsrede Frank Walter Steinmeiers vor der Bundesversammlung

Christiane Küchenhof wählt Bundespräsidenten

Die Koalitionsfraktionen aus Schleswig-Holstein haben eine gemeinsame Liste der Delegierten für die 16. Bundesversammlung, die am 12. Februar 2017 den nächsten Bundespräsidenten wählt, aufgestellt.

Die Schenefelder Bürgermeisterin und stellvertretende Landesvorsitzende der SPD Schleswig-Holstein wurde dabei nominiert.

Neben Spitzenpolitikern aller drei Parteien sind auch Personen des öffentlichen Lebens vertreten, so beispielsweise der Schriftsteller Feridun Zaimoglu und der Klimaforscher Mojib Latif sowie der Vorsitzende des DGB-Nord, Uwe Polkaehn, und die Minderheitenbeauftragte Renate Schnack.

Damit setzen die Koalitionäre auch ein deutliches Zeichen für gute Arbeit, Klimaschutz, kulturelle Vielfalt und Minderheiten.

Die Liste setzt sich folgendermaßen zusammen:

  1. Dr. Ralf Stegner
  2. Torsten Albig
  3. Uwe Polkaehn
  4. Christiane Küchenhof
  5. Serpil Midyatli
  6. Martin Habersaat
  7. Renate Schnack
  8. Feridun Zaimoglu
  9. Monika Heinold
  10. Eka von Kalben
  11. Prof. Mojib Latif
  12. Lars Harms

Zu ihrem Wahlvorschlag, der in der nächsten Plenartagung verabschiedet wird, erklären die Vorsitzenden der Fraktion von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Abgeordneten des SSW:

Ralf Stegner: Feridun Zaimoglu ist als Kieler mit türkischen Wurzeln, der sich aktiv in politische Debatten insbesondere zu Migration und Integration einmischt, ein hervorragender Vertreter der Kultur in Schleswig-Holstein.
Mit Uwe Polkaehn auf unserer Liste machen wir deutlich, dass wir die Gewerkschaften bei unserem Einsatz für gute Arbeit an unserer Seite sehen.
Renate Schnack steht wie kaum eine andere Person für den Austausch mit den vier Minderheiten im Land und der Bedeutung, die diese Koalition ihnen beimisst.
Die Zusammensetzung unserer Delegiertenliste repräsentiert sehr gut die Vielfalt in unserem Land.

Eka von Kalben: Ich finde es gut, dass der Bundespräsident von einem Gremium gewählt wird, das aus Abgeordneten und VertreterInnen der Länder zusammengesetzt ist.
Wir haben Mitglieder aus Regierung und Parlament und einen Vertreter der Wissenschaft gewählt, um das Land Schleswig-Holstein würdig und Grün zu vertreten. Wir freuen uns, dass Mojib Latif als einer der bekanntesten Köpfe für den Klimaschutz uns bei der Wahl zum Bundespräsidenten unterstützen wird.

Lars Harms: Ich freue mich, dass mir als nunmehr zweiter Angehöriger der friesischen Minderheit nach Berthold Bahnsen vor über 60 Jahren die Ehre zuteil wird, das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland mitwählen zu dürfen.
Ich werde, wie kürzlich mit dem SSW-Landesvorstand abgestimmt, für Frank-Walter Steinmeier votieren.

Rede der Bürgervorsteherin zum Volkstrauertag

Meine Damen und Herrn, ich begrüße Sie recht herzlich.

Der Tag, den wir heute mit dieser Veranstaltung begehen, ist der Volkstrauertag, und das ist weit mehr, als die Erinnerung an gefallene Soldaten beider Weltkriege.

Gudrun Bichowski

Bürgervorsteherin Gudrun Bichowski

Heute stehe ich hier an unserem Ehrenmal bereits das neunte Mal, um mich an alle Schenefelder zu wenden.
Schön, dass Sie da sind meine Damen und Herrn!

In diesen Jahren meiner Amtszeit ist es mir immer klarer geworden, über wie viele Dinge, wir uns anlässlich dieser Gedenkfeier unterhalten könnten und müssten.
Ist das nicht seltsam?
Nein!

Denn es geht uns alle an. Es geht alle Schenefelder an. Sie sind heute die Vertreter der Opfer.
Ein jüdisches Sprichwort sagt:
Menschen die man vergisst, sterben ein zweites Mal.

Enttäuscht bin ich immer wieder von der Aussage, den Volkstrauertag nicht mehr hoch zu halten. Enttäuscht bin ich auch von dem geringen Interesse an dieser Gedenkfeier.

Warum dieses Desinteresse?
Vielleicht weil Krieg uns meist nur noch in den Nachrichten erreicht, die wir weg schalten können! Oder aus der Zeitung, die wir weglegen können. Das Geschichtsbuch kann man auch einfach zu klappen.

Wir regen uns, über ein in Flammen aufgehendes Smartphone mehr auf, als über Brandbomben die über Aleppo abgeworfen werden.

Liebe Anwesende.
Jeder Soldat war auch Sohn, bestimmt auch Freund, Ehemann oder Vater.
Opfer des Krieges waren auch Kinder. Kinder, die eigentlich beschützt und von Liebe umgeben aufwachsen sollten.
Ihr Leben lang haben diese Kriegskinder Sicherheit vermisst. Kriegserfahrung, Flucht und Ungewissheit hinterlassen Spuren bei Kindern.

Die Kinder der Kriegskindergeneration bleiben zwar vom Schrecken des Krieges verschont. Aber nicht in der inneren seelischen Welt, der Krieg hinterlässt Wunden, die bei vielen ihr Leben lang nicht geheilt sind. Nur unversehrte Eltern können ihren Kindern Sicherheit und Liebe geben.
In vielen deutschen Familien spielten sich in den fünfzigern bis hinein in die sechziger Jahre andere Kriege ab. Der Versuch, das mühsam aufgebaute Leben mit dem seelischen und den Erlebten in Einklang zu bringen, hatte seinen Preis. Das Überleben und der Wiederaufbau erforderten die ganze Kraft.
In vielen Familien waren die Kinder in den Nachkriegsjahren unsichtbar, weil die Eltern selber noch umgeben von Nebel lebten, und ihnen die Vergangenheit realer erschien, als die Gegenwart. Die Menschen wurden  mit den Langzeitfolgen des Kriegstraumas nicht fertig, den bei Kriegsausbruch waren sie Jugendliche, im besten Alter.

Alle Versuche, etwas über die Kriegsjahre von meiner Mutter zu erfahren waren zwecklos. Das eiserne Schweigen meiner Mutter macht mich heute noch stutzig.
Warum durfte man ihr nicht zu nahe kommen?
Warum zuckte sie immer zusammen, wenn irgendwo eine Feuersirene zur Probe aufheulte?
Warum hatte Sie oft unerklärliche Angst, dass uns Kindern etwas zustoßen könnte.

Im Gegensatz zu meinem Vater, der meinen Geschwistern und mir ständig die Erlebnisse des Krieges, eher als Abenteuergeschichte schilderte.
Er hatte seinen eigenen Umgang mit dieser Zeit.
Jeder versuchte auf seine persönliche Weise das Erlebte zu verarbeiten.

Heute weiß ich, meine Mutter war von ihren Erfahrungen traumatisiert.
Heute weiß ich, dass Sie die Spur während der Flucht, zur Familie verlor.
Ich habe auch erfahren, welche besonderen Ereignisse, gerade bei den weiblichen Heranwachsenden vorgefallen sind, die auf der Flucht waren.
Heute weiß ich, meine Mutter war die beste, die sie sein konnte.
Mehr war nicht möglich.

Trauer ist ein langer schmerzlicher Vorgang, – den jeder Betroffene auf andere Art und Weise erlebt, und versucht, damit zurecht zu kommen.
Der zweite Weltkrieg liegt schon lange zurück seine Folgen sind aber bis in die zweite Generation noch zu spüren.

Schon deshalb sollten wir unseren Kindern mit Nachdruck den Frieden erklären.
Damit sie anderen nicht den Krieg erklären müssen.
Kinder trifft nicht die geringste Schuld, aber sie haben die größte Angst und werden am meisten geprägt, für ihr ganzes Leben.

Meine Damen und Herrn,
der Start des neuen Schuljahres ist in Aleppo verschoben worden, weil ein Drittel, der Bombentoten der vergangenen Monate, Kinder waren.

Ich wünsche mir für alle Kinder dieser Welt, deren Name ich nicht kenne, in einer Welt leben zu dürfen, in der Frieden natürlich ist.

Wir denken an die Kinder, die von ihren Familien getrennt und zu Waisen wurden.
Wir denken an die Menschen, die in jüngster Zeit, auf der Flucht starben, ob im Mittelmeer oder auf einer anderen Route.
Wir gedenken heute aller Menschen, aller Völker, die Opfer von Gewalt wurden.
Wir gedenken der Soldaten, die starben, weil sie für falsche Ziele  eingesetzt wurden.
Wir trauern um junge Männer der Bundeswehr, die in jüngster Zeit für den Weltfrieden im Einsatz waren und starben.
Wir trauern um die Opfer der Bürgerkriege und Opfer von Terrorismus unserer Tage.

Ich bitte Sie, liebe Schenefelder, diese Toten mit Frau Bürgermeisterin Küchenhof und mir zu ehren, und bitte Sie jetzt, um einen Schweigemoment im stillen Gedenken, wenn wir als Symbol den Kranz der Stadt niederlegen.

„Wir halten ihr Andenken in Ehren“

Am 26. April wäre Regine Hildebrandt 75 Jahre alt geworden.

Dazu erklärt Klara Geywitz, Generalsekretärin der Brandenburger SPD:
„Regine Hildebrandt hat die Brandenburger Sozialdemokratie bis heute geprägt, wie keine andere deutsche Politikerin.
Ihre energische Art, die Dinge anzupacken und ihre Leidenschaft für soziale Gerechtigkeit, machten sie unvergesslich.
Bis heute spüren wir die große Anerkennung und Zuneigung vieler Brandenburgerinnen und Brandenburger für Regine Hildebrandt.
Liebend gerne hätten wir mit ihr gemeinsam ihren 75. Geburtstag gefeiert.
Leider war ihr kein längerer Lebensabend vergönnt. Umso stärker halten wir ihr Andenken in Ehren.
Regine Hildebrandt ist und bleibt das große Vorbild der Brandenburger Sozialdemokratie.“

© Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2016

© Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2016

Regine Hildebrandt wurde am 26. April 1941 geboren und starb am 26. November 2001 nach langer Krankheit. Die studierte Biologin wurde 1990 Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen in die erste brandenburgische Landesregierung. Bis 1999 war sie Mitglied der Brandenburger Landesregierung. Seit 2002 vergibt die SPD jährlich den „Regine-Hildebrandt-Preis“, mit dem Personen oder gesellschaftliche Gruppen ausgezeichnet werden, die im Sinne Regine Hildebrandts für Ostdeutschland und seine Menschen wirken – für die innere Einheit Deutschlands, gegen Rechtsextremismus und Gewalt und für Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit.

Mehr Informationen zur Persönlichkeit Regine Hildebrandts finden Sie HIER