Als am 23. Mai 1863 in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein gegründet wurde, gab es noch längst keine Bundesrepublik.
Europa war ein Flickenteppich, seit 1815 gab es den Deutschen Bund.
Julius Vahlteich, Friedrich Wilhelm Fritsche und Ferdinand Lassalle legten den Grundstein für eine Bewegung, die auch 155 Jahre später in Deutschland aktiv und lebendig ist.
Dass eine Partei ein so hohes Alter erreicht, ist ein Phänomen.
Die Ideen der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Solidarität überdauerten Staaten, Krisen und Kriege.

Dreimal wurde die SPD verboten: Zuerst versuchte Bismarck mit dem Sozialistengesetz, das Erstarken der Arbeiterorganisation zu unterdrücken. Die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands aber wurde in dieser Zeit zur Massenbewegung.
Unter Adolf Hitler galt die SPD als staats- und volksfeindliche Partei, ihre Mitglieder wurden verfolgt und inhaftiert, nicht wenige in Konzentrationslagern ermordet.
Wer sich in der DDR weigerte, die Politik der SED mitzutragen musste mit Konsequenzen rechnen. Diese reichten von sozialer Benachteiligung bis hin zu Verfolgung und Verurteilung.

Wieder überlebte in den Köpfen der Bürger der Wunsch nach Beteiligung, nach Demokratie und nach Freiheit. Damals wie heute ist die SPD bestimmt vom Ringen um die besten Idee.
Was oft als Uneinigkeit, als Krach oder Zwist verurteilt wird, hat Tradition: Schon 1869 im Vorfeld der Gründung der SDAP aus dem ADAV wurde tagelang heftig diskutiert, ob die Gründung sinnvoll ist und wie die Partei aussehen soll. Statt einer von oben vorgegebenen Richtung ist es noch heute Aufgabe der Mitglieder, die besten Antworten auf die Probleme der Gegenwart zu finden. Von dieser Dynamik leben wir.

Der offensichtlichste Grund, weshalb es die SPD nach 155 Jahren noch immer gibt ist: Sie wird gebraucht. Noch immer gibt es in unserer Gesellschaft und darüber hinaus Unfreiheit, Ungerechtigkeit und Abschottung. Nach wie vor gilt es, die Interessen derer zu vertreten, die dazu allein nicht imstande sind. Waren das früher entrechtete Industriearbeiter, sind es heute zum Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund, Familien oder Senioren, aber eben auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Selbstständige oder Unternehmer. Diese Solidarität macht uns stark.

In der Tradition bleiben wir deshalb unbequem, leidenschaftlich und präsent.

Unsere Anliegen sind aktueller denn je. Auf weitere 155 Jahre!